Fast Flight oder Fast Flight Plus? Der Unterschied einfach erklärt
Wer sich mit modernen Bogensehnen beschäftigt, stößt früher oder später auf zwei Begriffe: Fast Flight und Fast Flight Plus. Beide Materialien werden für leistungsstarke Bogensehnen verwendet. Beide sind deutlich schneller und dehnungsärmer als klassische Dacron-Sehnen. Trotzdem gibt es wichtige Unterschiede.
Gerade bei traditionellen Bögen ist die Frage wichtig: Welches Material passt wirklich zum Bogen und zur eigenen Schießweise?
Wir erklären den Unterschied aus unserer Erfahrung im traditionellen Bogenschießen.
Was ist Fast Flight (Dyneema SK65 / Spectra 652)?
Fast Flight, oft kurz FF genannt, ist ein modernes Sehnenmaterial mit sehr geringer Dehnung. Im Vergleich zu Dacron überträgt es die Energie direkter auf den Pfeil. Dadurch wird der Pfeil schneller und die Flugbahn flacher.
Das ist besonders für Schützen interessant, die intuitiv schießen. Denn beim intuitiven Bogenschießen wird ohne Visier geschossen. Eine flachere Flugbahn hilft dabei, Entfernungen besser auszugleichen.
Fast Flight wird häufig als Oberbegriff für verschiedene moderne, dehnungsarme Sehnenmaterialien verwendet. In der Praxis meinen viele Schützen damit einfach eine schnelle, moderne Sehne für Bögen mit verstärkten Tips.
Was ist Fast Flight Plus (Dyneema SK75 / Brownell D75 / Flex Archery DynaGen)?
Fast Flight Plus, kurz FF+, ist eine Weiterentwicklung von Fast Flight. Das Material ist in der Regel feiner, also dünner, gleichmäßiger und noch konstanter. Es dehnt sich praktisch kaum und hat fast keinen Creep-Effekt.
Creep bedeutet, dass sich eine Sehne über längere Zeit dauerhaft etwas verlängert. Bei FF+ ist dieser Effekt sehr gering. Dadurch bleibt die Sehne sehr konstant.
Das klingt erst einmal nur positiv. Und rein technisch betrachtet ist Fast Flight Plus auch ein sehr gutes und leistungsstarkes Sehnenmaterial. Das Problem liegt weniger im Material selbst, sondern eher in der Frage, ob der jeweilige Bogen wirklich dafür gebaut ist.
Der wichtigste Unterschied: Fast Flight Plus ist härter zum Bogen
Fast Flight Plus überträgt die Energie noch direkter auf den Bogen und den Pfeil. Das kann mehr Leistung bringen, belastet aber auch die Wurfarmenden, also die Tips, deutlich stärker.
Nicht jeder Bogen hält das dauerhaft aus.
Gerade viele traditionelle Bögen sind zwar für Fast Flight geeignet, aber nicht unbedingt für Fast Flight Plus. Der Unterschied klingt klein, kann für den Bogen aber entscheidend sein.
Wenn ein Bogen keine ausreichend verstärkten Tips hat, kann eine zu harte Sehne langfristig Schäden verursachen. Im schlimmsten Fall können die Tips brechen.
Daher sollte man vor der Nutzung von FF+ immer beim Hersteller nachfragen: Ist mein Bogen oder sind meine Wurfarme ausdrücklich Fast-Flight-Plus-tauglich?
Warum im traditionellen Bereich häufiger normales Fast Flight verwendet wird
Im traditionellen Bogenschießen gibt es sehr viele unterschiedliche Bögen: Langbogen, Recurvebogen, Hybridbogen, Reiterbogen und viele Sonderformen. Nicht jeder dieser Bögen ist gleich aufgebaut. Auch die Verstärkungen an den Tips unterscheiden sich stark.
Genau deshalb kommt im traditionellen Bereich nach unserer Erfahrung häufiger normales Fast Flight zum Einsatz. Es ist schnell und leistungsstark, aber nicht ganz so hart und direkt wie Fast Flight Plus.
Bei vielen traditionellen Bögen ist außerdem nicht eindeutig erkennbar, ob sie wirklich FF+-tauglich sind. Teilweise steht in der Beschreibung nur „Fast-Flight-tauglich“. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass der Bogen auch für noch härtere Materialien wie Fast Flight Plus geeignet ist.
Für uns ist das der entscheidende Punkt: Wenn unklar ist, ob ein traditioneller Bogen FF+ dauerhaft verträgt, ist normales Fast Flight aus unserer Sicht die sicherere und sinnvollere Wahl.
Warum wir bei Jäger & Sammler „normales“ Fast Flight verwenden
Wir verwenden aus unserer Erfahrung bewusst normales Fast Flight und bieten aktuell kein Fast Flight Plus an.
Der Grund ist einfach: Unsere Kundinnen und Kunden kommen überwiegend aus dem traditionellen und intuitiven Bogenschießen. Viele schießen Recurvebogen, Langbogen, Hybridbogen oder Reiterbogen. Dabei ist nicht immer eindeutig, ob der jeweilige Bogen wirklich für sehr harte Sehnenmaterialien wie Fast Flight Plus geeignet ist.
Viele lesen nur „Fast-Flight-tauglich“ und gehen davon aus, dass jedes moderne Sehnenmaterial passt. Das ist aber nicht immer der Fall.
Normales Fast Flight ist für unsere Anwendung der bessere Kompromiss:
- Es ist schnell.
- Es ist leistungsstark.
- Es ist deutlich moderner als Dacron.
- Es ist aber nicht so extrem hart wie Fast Flight Plus.
Für intuitive Schützen ist das aus unserer Sicht genau der richtige Mittelweg.
Ist Fast Flight Plus automatisch besser?
Fast Flight Plus ist technisch gesehen ein sehr gutes Material. Für bestimmte Anwendungen kann es sinnvoll sein, zum Beispiel im leistungsorientierten Scheibenschießen oder bei Bögen, die eindeutig für solche Materialien gebaut sind.
Aber besser bedeutet nicht automatisch passender.
- Eine Sehne muss immer zum Bogen, zur Schießweise und zum Einsatzzweck passen.
- Eine maximal schnelle Sehne bringt nichts, wenn der Bogen dadurch unnötig belastet wird oder sich das Schussgefühl verschlechtert.
Also, nein. Fast Flight Plus ist nicht automatisch besser. Es ist schneller und konstanter, aber eben auch anspruchsvoller für den Bogen.
Wäre Fast Flight Plus für traditionelle Bögen wünschenswert?
Grundsätzlich ja. Wenn in Zukunft mehr traditionelle Bögen eindeutig und dauerhaft für Fast Flight Plus gebaut werden, wäre das auch aus unserer Sicht wünschenswert.
Der Vorteil liegt auf der Hand: Fast Flight Plus ist sehr leicht, sehr konstant und sehr direkt. Dadurch lässt sich noch mehr Geschwindigkeit aus dem Bogen holen. Für intuitive Schützen kann das interessant sein, weil eine höhere Pfeilgeschwindigkeit meist auch eine flachere Flugkurve bedeutet.
Eine flachere Flugkurve kann beim intuitiven Schießen helfen, weil kleine Fehler beim Einschätzen der Entfernung weniger stark auffallen.
Solange aber bei vielen traditionellen Bögen nicht eindeutig klar ist, ob sie FF+ wirklich dauerhaft vertragen, bleiben wir bei normalem Fast Flight. Für uns ist das der bessere Kompromiss aus Leistung, Sicherheit und Alltagstauglichkeit.
Welche Strangzahl ist bei „normalem“ Fast Flight sinnvoll?
Bei normalem Fast Flight nutzen wir als einfache Faustformel:
Zuggewicht geteilt durch 5 plus 2 Sicherheitsstränge
Ein Beispiel:
Ein Bogen mit 40 lbs Zuggewicht ergibt:
40 / 5 = 8
plus 2 Sicherheitsstränge
= 10 Stränge
Das ist natürlich nur eine Faustregel.
Weniger Stränge bedeuten meist:
- weniger Sehnengewicht,
- mehr Pfeilgeschwindigkeit,
- flachere Flugbahn.
Mehr Stränge bedeuten meist:
- mehr Sicherheit,
- ruhigeres Schussgefühl,
- mehr Fehlertoleranz,
- etwas weniger Geschwindigkeit.
Warum intuitive Schützen oft andere Anforderungen haben
Wir sind bei Jäger & Sammler stark auf intuitive Schützen spezialisiert. Das beeinflusst auch unsere Empfehlung bei Sehnen.
Beim intuitiven Bogenschießen wird ohne Visier geschossen. Die Entfernung wird geschätzt. Der Schütze arbeitet viel mit Gefühl, Erfahrung, Körperhaltung und Blickfokus.
Eine flache Flugbahn kann dabei helfen, weil kleine Fehleinschätzungen bei der Entfernung weniger stark ins Gewicht fallen.
Darum mögen viele intuitive Schützen schnelle Setups. Gleichzeitig darf das Material aber nicht unnötig empfindlich oder kritisch für den Bogen werden.
Aus diesem Grund setzen wir auf normales Fast Flight und nicht auf Fast Flight Plus.
Fast Flight oder Fast Flight Plus: Was ist die bessere Wahl?
Für die meisten traditionellen Bogenschützen ist normales Fast Flight aus unserer Sicht die sinnvollere Wahl.
Fast Flight Plus kann interessant sein, wenn:
- der Bogen ausdrücklich dafür geeignet ist und der Hersteller FF+ freigibt,
- die Tips entsprechend verstärkt sind,
- maximale Konstanz und Leistung im Vordergrund stehen,
- dabei maximale Geschwindigkeit herausgeholt werden soll.
Normales Fast Flight ist sinnvoll, wenn:
- man traditionell oder intuitiv schießt,
- der Bogen nicht ausdrücklich FF+-tauglich ist,
- unklar ist, ob der Bogen FF+ dauerhaft verträgt,
- man eine schnelle, aber nicht extrem harte Sehne möchte,
- man einen guten Kompromiss aus Leistung und Sicherheit sucht.
Unser Fazit
Fast Flight und Fast Flight Plus sind beides moderne, schnelle Sehnenmaterialien. Der Unterschied liegt vor allem in der Materialkonstanz, der Dehnung und der Belastung für den Bogen.
Fast Flight Plus ist noch direkter, konstanter und schneller, aber auch härter zum Bogen. Für viele traditionelle Bögen ist das aus unserer Sicht aktuell nicht die beste Wahl, weil oft unklar ist, ob sie FF+ wirklich dauerhaft vertragen.
Deshalb verwenden wir bei Jäger & Sammler bewusst normales Fast Flight. Es passt besser zu unserem Schwerpunkt: traditionelles und intuitives Bogenschießen.
Es bietet genug Leistung, bleibt aber alltagstauglich und ist für viele traditionelle Bögen die vernünftigere Lösung.
Sollten in Zukunft mehr traditionelle Bögen eindeutig für Fast Flight Plus ausgelegt sein, wäre das natürlich auch für uns spannend. Denn mehr Geschwindigkeit und eine flachere Flugkurve sind gerade im intuitiven Bogenschießen durchaus interessant.
Bis dahin gilt für uns aber: Eine Sehne muss nicht nur schnell sein. Sie muss vor allem zum Bogen passen.
Wer eine neue Sehne braucht, sollte daher nicht nur fragen:
Welche Sehne ist am schnellsten?
Sondern besser:
Welche Sehne passt wirklich zu meinem Bogen und zu meiner Schießweise?